Reisen in tropische Länder

Sonnig warme und feuchtheisse Länder ziehen pro Jahr über zehn Prozent der Schweizer in ihren Bann. Besondere Faszination übt das Erkunden unbekannter, tropischer und subtropischer Länder aus, wenn diese mit einem Rucksack, viel Zeit und Erlebnishunger bereist werden. Ungewohnte klimatische und hygienische Verhältnisse, unter Umständen lebensbedrohliche Infektionskrankheiten und teilweise mangelhafte medizinische Infrastruktur bedingen eine umfassende Vorbereitung zu Hause und die Berücksichtigung von Verhaltensregeln während der Reise.

Hauptrisiken für Tramper

Vor der Reise zu beachten

Während der Reise

Nach der Reise

Planung

Legen Sie die wahrscheinliche Reiseroute und Alternativen möglichst im voraus fest. Informieren Sie sich anhand einschlägiger Reisebücher umfassend über die zu erwartenden lokalen Verhältnisse (inklusive Klima, Regenzeiten, Monsun, Höhen-angaben usw.). Vor jeder längeren Reise in tropische Gebiete wird eine ärztliche Begutachtung Ihres Gesundheits- und Impfungszustandes dringend empfohlen, inklusive Zahnarztkontrolle. Melden Sie sich sechs bis acht Wochen vor Reiseantritt bei Ihrem Arzt zur Beratung an, und bringen Sie dazu die detaillierte Reiseroute, Impfausweis und Ihre Fragen mit. Reisende mit besonderen Risikofaktoren (HIV-Positivität, Lungenkrankheit, Epilepsie, Diabetes, Einnahme von Dauermedikamenten, Schwangere) sollten ihre spezifische Situation besonders sorgfältig prüfen.

Impfungen und Prophylaxe

Nehmen Sie die für die geplanten Reiseländer empfohlenen Impfungen vor. Für alle Entwicklungsländer benötigen Sie einen für die Dauer der Reise ausreichenden Impfschutz gegen Starrkrampf, Diphtherie und Kinderlähmung (lmpfschutzdauer ab letzter Impfung zehn Jahre). Die durch Stechmücken in der Dämmerungszeit übertragene Malaria ist ein ernsthaftes Risiko für Reisende in vielen tropischen Ländern. Eine fundierte Beratung über die medikamentösen und nichtmedikamentösen Vermeidungsstrategien und frühzeitige Erkennung und Notfallbehandlung einer Malaria vor der Abreise in bedrohte Länder sind unerlässlich. In besonders gefährdeten Regionen (Afrika, Indien, Papua-Neuguinea und andere mehr) ist nebst wirksamem Insektenschutz (Antimückenmittel, Mückennetze, lange Kleidung) die Einnahme eines rezeptpflichtigen Medikamentes zur Prophylaxe zwingend! Für andere Gebiete wird Ihnen der Arzt ein Medikament für den Notfall einer vermuteten Malariaerkrankung verschreiben. Besondere Beachtung verdient die Malariavorbeugung bei Langzeitaufenthaltern und bei wiederholten Einreisen in Malariagebiete. Eine kompetente fachärztliche Beratung (eventuell an einem spezialisierten Zentrum) und ein individuelles Vorgehen helfen, das Risiko zu verringern. Die Impfung gegen die vielfach durch Trinkwasser übertragene Hepatitis A ist bei einem längeren Aufenthalt in ländlichen Gebieten unter einfachen hygienischen Verhältnissen in Afrika, Asien, Lateinamerika, aber auch entlegenen Gebieten Osteuropos, angezeigt. Für längere und erneute Reisen wird nach sechs bis zwölf Monaten eine einmalige Auffrischungsimpfung empfohlen. Bereits an Hepatitis A erkrankte Personen sind gegen die Krankheit immun. Unbedingt empfohlen wird dem Langzeit-Tramper in tropischen Ländern die Hepatitis.B. Impfung. Mit drei Grundimpfungen (Wiederholung nach einem und sechs Monaten) wird ein guter Schutz vor der manchmal folgenschweren, durch Blut (auch Blutspuren bei Tätowierungen, Akupunktur, ungeschütztem Geschlechtsverkehr) übertragenen Krankheit erreicht. Bereits Geimpfte benötigen je nach individueller Antikörperkonzentration eine Auffrischimpfung. Die Typhus-Schluckimpfung wird allen Rucksack-Touristen mit tropischen Reisedestinationen empfohlen (in jedem Fall vor Beginn einer eventuellen Malaria-Chemoprophyloxe!) und schützt während maximal dreier Jahre. Für Ziele im nördlichen Südamerika und im tropischen Afrika ist die Gelbfieberimpfung obligatorisch, vor allem wenn man unbehelligt (Quarantäne!) in nicht betroffene Länder weiterreisen will. Nachweis durch beglaubigten internationalen Impfausweis notwendig. Die Hunde-Tollwut ist in den meisten Entwicklungsländern weit verbreitet. Die Tollwutimpfung vor Ausreise (drei Impfungen während eines Monats) schützt allerdings nur teilweise. Nach einem verdächtigen Biss sind daher weitere Impfungen notwendig. Angesichts des immer tödlichen Ausgangs einer manifesten Tollwuterkrankung und der oft eingeschränkten Impfmöglichkeit vor Ort wird dringend die Impfung vor Abreise empfohlen.

Sahelzone, Indien, Nepal, Brasilien: Eine einmalige Impfung schützt zwei Jahre vor A- und Meningitis (epidemische Hirnhautentzündung). Ost- und Südostasien (China, Japan, Korea, Nepal, Burma, Indien, Thailand, Vietnam, Laos und Kambodscha): Drei Impfungen im Laufe eines Monats schützen für ungefähr vier Jahre vor japanischer Enzephalitis, einer durch Mücken übertragenen, zum Teil tödlich verlaufenden Nerven- und Hirnhautentzündung. Unter anstrengenden Reisebedingungen und bei engem (Haushalts-)Kontakt mit der Bevölkerung steigt die Gefahr einer Tuberkuloseansteckung. Eine Mantoux-Probe vor und nach der Reise kann gegebenenfalls sinnvoll sein. Stellen Sie eine geeignete Reiseapotheke zusammen, die Sie gegen Notfälle wie Schmerzen, Reisekrankheit, Wundversorgung usw. wappnet. Tragen Sie dabei Ihrer beschränkten Transportkapazität Rechnung. Besorgen Sie nach Bedarf auch Desinfektionsmittel für Trinkwasser (z. B. Micropur). Nutzen Sie das Know-how anderer (erfahrene Traveller, Spezialisten in Reiseausrüstungsgeschäften, für medizinische Belange Arzt oder Apotheker). Schützen Sie sich bei allfälligen flüchtigen Sexualkontakten vor Schwangerschaft, Geschlechtskrankheiten und Aids durch die Verwendung von Qualitätskondomen. Nehmen Sie daher - bei möglichem Bedarf genügend aus der Schweiz mit!

Malariaprophylaxe

Gemäss Untersuchungen nehmen gegen vierzig Prozent der Traveller in Gebieten, die den Schutz einer konsequenten Malaria-Chemoprophylaxe erfordern, diese Medikamente nicht korrekt ein. Dabei wird oft vergessen, dass es ohne Vorsichtsmassnahmen und auch ohne typische Symptome wie Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost zur Erkrankung kommen kann, die im schlimmsten Falle zum Tod führt. Bei jedem Fieberzusiand, auch nach der Reise, muss an Malaria gedacht werden! In Gebieten mit hohem Malariavorkomrnen (vgl. Karte) müssen nebst der konsequenten Einnahme von Malariamedikamenten Mückenstiche verhindert werden. Repellenis, die DEET enthalten (u.a. Antibrumm, Auton), Mückennetze, lange Kleidung in den Abendstunden und Insektizide sind wirksam.

Durchfallerkrankungen

Reisedurchfall trifft vor allem jene, die die Regel «boil it, cook it, peel it - or forget it!» nicht beachten. Wasser soll nur gekocht (fünf Minuten), eventuell gefiltert, oder nach Zusatz von geeigneten Desinfektionsmitteln oder aus originalverschlossenen Flaschen getrunken werden. Konsequenter Verzicht auf Leitungswasser, Eiswürfel, Eiscreme, Fruchtsäfte, Salate, rohes Gemüse und rohe Meeresfrüchte. Geniessen Sie besonders zu Beginn der Reise einheimisches Essen nur in kleinen Mengen und nur gekocht oder durchgebraten. Bei beginnender Durchfallerkrankung sofort für ausreichenden Flüssigkeits- und Salzersatz sorgen. Nach 24 Stunden anhaltenden fieberhaften Durchfällen eventuell mit Antibiotika (z. B. Chinolone) behandeln. Bessert sich der Durchfall mit Antibiotika nicht, sollte eine besondere Behandlung und ärztliche Abklärung (Amöben?) erfolgen. Antibiotika und Amöbenmedikamente sind nur durch ärztliche Verschreibung zu erhalten.

Infektionskrankheiten

Jeden Kontakt mit Blut oder Fäkalien vermeiden (zu beachten auch bei Akupunktur, Ohrdurchstechungen, Tätowierungen usw.). Barfussgehen vermeiden zum Schutz vor Parasiten und Tieren. Kein Boden, auch kein Händewaschen oder ähnliches in Süsswasserseen und langsam fliessenden Gewässern (Bilharziosegefahr!). Salzwasser und chlorierte Swimmingpools dagegen sind sicher. Ein einziger ungeschützter Sexualkontakt kann zur Infizierung mit dem Aids-Virus, Tripper, Syphilis und anderem mehr führen. Einen relativen Schutz bietet nur das richtig angewandte Präservativ von guter Qualität. Nach einem Biss eines streunenden Hundes oder anderen Säugetiers in den Tropen muss die Wunde mit Seife und Wasser ausgewaschen und anschliessend desinfiziert werden. Gleichentags sollte eventuell mit der aktiven Tollwutimpfung begonnen werden. Wenn noch nie eine Tollwutimpfung zuvor erfolgte, zusätzlich auch eine passive Impfung. Hautpilz wird durch die feuchtwarmen Bedingungen in der Fuss-, Leisten-, Genital und Analregion begünstigt. Die Symptome der Pilzinfektion wie Hautrötung und Juckreiz sprechen auf eine Behandlung mit Antipilz-Creme und gegebenenfalls Zäpfchen an. Alle Hautverletzungen (Insekten, Schürfungen usw.) müssen rasch desinfiziert und dann trocken behandelt werden, um langwierige Eiterungen zu verhindern. Unfallgefahr verringern Sie durch bedachtes Verhalten. Meiden Sie beispielsweise Motorradfahren und nächtliche Langdistanzfahrten, sicherer ist auch das Sitzen auf den Rücksitzen eines Taxis. Vertrauen Sie Ihrem gesunden Menschenverstand, wenn Sie sich auf etwas einlassen. Denken Sie immer an die mögliche Signalwirkung Ihres Verhaltens.

Quelle: SmithKline Beecham und Schweizerische Gruppe für Reisemedizin.